1972 Käthchen-Erfahrungen

Käthchens Erlebnisse und Erfahrungen


Unter dem Titel »Aus dem Leben eines leibhaftigen Käthchens. Evelyn Friedrich plaudert aus ihrer Amtszeit / Die Suche nach einer Nachfolgerin lief bereits an« berichtete die »Heilbronner Stimme« (Auszug):

Seit ihrer Wahl im Jahr 1970 »ist eine lange Zeit vergangen. Für Käthchen Evelyn eine erlebnisreiche Zeit. ›Ich fand es eigentlich gar nicht strapaziös, denn man hatte im Durchschnitt nur einen Auftritt pro Woche‹, erzählte das noch amtierende Repräsentations-Käthchen in der Stadt des Kleist-Dramas. 53mal verwandelte sich bislang der junge, langhaarige Teenager in das brave zierliche Käthchen. Ihren ersten Auftritt bestritt sie als Glücksgöttin. Aus einer Lostrommel angelte sie von 342 richtigen Lösungen die Gewinner eines Preisausschreibens.
Sie gratulierte Hockeyspielern, Skatbrüdern, alten Mitbürgern, Herbstrittern, den beiden Weltenbummlern Wilma und Wolf-Dieter Ahlborn, Junioren-Fechtmeistern, überreichte Miniatur-Käthchen an Minister, Stars und Sieger und mußte die Stadt repräsentieren bei Eröffnungen, Ausstellungen, Tagungen und Veranstaltungen.

›Für mich war es eine abwechslungsreiche, erlebnisvolle und schöne Zeit‹, beteuerte Evelyn Friedrich. ›Doch mein beeindruckendstes Erlebnis war, als ich am 6. Mai 1971 zusammen mit Bürgermeister Erwin Fuchs in der Fernsehsendung ›Omnibus‹, die im dritten Programm der ARD ausgestrahlt wurde, mitwirken durfte. Es war einfach überwältigend und für mich neu, einmal in ein Fernsehstudio zu blicken, um zu sehen, was hinter den Kulissen vor sich geht. Überrascht war ich von der Exaktheit, die dort herrscht.‹

Das Käthchen hatte in seiner Amtszeit viele Menschen kennengelernt, bekannte und weniger bekannte. Doch gerne erinnert sie sich an ihren 25. Auftritt. Damals hatte sich der Große Saal der Harmonie in ein Rundfunkstudio verwandelt. Die Sendung ›Mit Musik geht alles besser‹ des Süddeutschen Rundfunks wurde aus der Heilbronner Festhalle übertragen. Der Hausfrauen-Liebling Hermann Haarmann stellte im Rahmen der Sendung prominente Studiogäste vor: Ilse Werner, Bibi Johns, Vittorio, das Medium-Terzett, Bruno Ullmann und die Kapelle Günther Leimstoll. Evelyn Friedrich, die ihre Pflichten auch hier zu erfüllen hatte, trug einen Prolog vor: ein humorvolles Loblied auf Hermann Haarmann und seine Sendung. Das Fazit: ›Mit Hermann putzt sich's angenehmer!‹ Übrigens, die kleinen Ansprachen, die das Heilbrenner Käthchen und da halten muß, werden von der Stadt geschrieben.

Für Evelyn Friedrich ist die Käthchen-Zeit bald zu Ende. ›Die letzten zwei Jahre sind für mich verflogen‹, sagt sie und zieht den Schluß: ›Wenn Zeit verfliegt, war sie erlebnisreich, was bei mir nicht zuletzt durch meine Käthchenpflichten kam. Doch eins möchte ich noch zum Abschluß meiner Tätigkeit sagen. Viele Leute sprachen mich an und behaupteten, die Figur des Käthchens in unserer heutigen Zeit sei kitschig. Ich aber finde, daß Heilbronn, eine Stadt, die durch den Krieg so viel an ihrer Romantik verloren hat, einfach einen Ersatz für die verlorengegangene Tradition braucht. Meiner Meinung nach ist diese in der Figur des Käthchens wiedergegeben. Und zweitens ist das Käthchen einfach eine Symbolfigur Heilbronns. Das Käthchen von Heilbronn ist ein Begriff, der um die ganze Welt ging. Ich bin und werde immer stolz sein, daß ich zwei Jahre lang in die Rolle des von Kleist ersonnenen Traums schlüpfen durfte.‹

Die neue Käthchen-Wahl wird von der HSt-Lokalredaktion unterstützt. Bewerbungsschreiben mit Vor- und Zunamen, Altersangabe und Anschrift sind unter dem Kennwort ›Käthchenwahl‹ zu richten an folgende Adresse: Heilbronner Stimme, Lokalredaktion, 7100 Heilbronn, Allee 2 oder Postfach 480.«


(Carola Buchsteiner in: Heilbronner Stimme, 1972, undatierter Zeitungsausschnitt)