Emig, Günther: Zur Bamberger Aufführung 1811

Günther Emig

E. T. A. Hoffmanns Bühnenentwürfe zur Bamberger Käthchen-Aufführung von 1811


Ein Jahr nach der Uraufführung des "Käthchen" im Theater an der Wien am 17. März 1810 und nach einer wenig erfolgreichen Inszenierung in Graz am 16. Dezember des gleichen Jahres nahm sich das Sodensche Theater in Bamberg unter der Leitung von Franz Holbein als dritte Bühne des "Käthchens" an. Die erste Aufführung fand am 1. September 1811 statt. Beteiligt war E. T. A. Hoffmann, der von Juni 1811 bis Februar 1812 als Theater-Architekt und Dekorateur unter Holbein arbeitete. Holbein in seinen Erinnerungen: "Hoffmann und der talentvolle Schauspieler Holdermann malten die Decorationen, ich machte die Modelles der Maschinen; und so wurde auch in dem Ausstattungsfache, ungeachtet großer Sparsamkeit, Genügendes und Originelles geleistet. Von Handwerkerei war keine Spur vorhanden. Die ganze Anstalt glich vielmehr einem Liebhabertheater, für dessen künstlerische Erhebung jeder mit Aufopferung, Lust und Liebe wirkte."

Zwei Bühnenentwürfe E. T. A. Hoffmanns für diese Inszenierung sind im sog. Kuglerschen Album enthalten, das heute verschollen ist. Ihre Überlieferungsgeschichte stellt sich wie folgt dar: Aus dem Besitz von Julius Eduard Hitzig, dem Freund und ersten Biographen Hoffmanns, kamen etwa 50 Zeichnungen an Hitzigs Schwiegersohn Franz Kugler, der sie in ein Album in Querfolioformat klebte und einige Blätter nach Hitzigs Angaben mit Erläuterungen versah. Über Kuglers Schwiegersohn Paul Heyse gelangte das Album 1910 zur Versteigerung und wurde von dem Rechtsanwalt Walter Steffen erworben. Nach langen Bemühungen konnte Hans von Müller 1925 eine Buchausgabe erscheinen lassen: Handzeichnungen von E. T. A. Hoffmann in Faksimile-Lichtdruck nach den Originalen mit einer Einleitung: E. T. A. Hoffmann als bildender Künstler. Hrsg. von Walter Steffen und Hans von Müller. Berlin 1925.

1926 tauchte das Album wiederum auf einer Auktion auf und wurde durch den Bremer Buchhändler und Antiquar Arthur Robert Wiedemann erworben. Ob Wiedemann privat oder im Auftrag gekauft hat, ist unbekannt. Wiedemanns Haus in Bremen wurde im Juni 1944 zerstört. Ob damit auch das Album untergegangen ist, ist ungewiß.

1973 brachte der Hildesheimer Gerstenberg Verlag eine Neuausgabe der Handzeichnungen in einer Kassette mit einem beigelegten Erläuterungsband heraus (Handzeichnungen E. T. A. Hoffmanns im Faksimiledruck. Mit einer Einleitung: E. T. A. Hoffmann als bildender Künstler. Hrsg. von Hans von Müller. Textrevision und Erläuterungen von Friedrich Schnapp).

Die in Ausgabe 7 der "Heilbronner Kleist-Schriften" wiederabgedruckten Bühnenentwürfe zeigen: "Beginn des Burgbrandes" und "Durchblick auf eine gotische Kirche", möglicherweise "die zum Einsturz bestimmte Brücke aus Käthchen" (nach R. v. Schaukal).

Rekonstruktionen der beiden Hoffmannschen Bühnenentwürfe als dreidimensionale Modelle im Maßstab 1:20 wurden vor zwei Jahren in Bamberg der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie sind als "Glanzstücke der Ausstellung im E.T.A. Hoffmann-Haus" zu besichtigen.

Literaturhinweise: Stolze, Reinhold: Kleists Käthchen von Heilbronn auf der deutschen Bühne. Berlin 1923. (Germanische Studien. 27). - Holbein, Franz von: Deutsches Bühnenwesen. Ein Handbuch für Alle, welche auf irgend eine Weise mit dem Theater in Beziehung stehen, oder sich auch nur für das Innere desselben interessieren. Erster Theil. Wien 1853. - Handzeichnungen E. T. A. Hoffmanns [...]. Hildesheim 1973. - Für "Käthchen" Feuer und Flamme. Marionettentheater schuf Bühnen-Modelle nach E. T. A. Hoffmanns Entwürfen zum Kleist-Stück. In: Fränkischer Tag. (Bamberg), 5. 5. 1993. - Briefliche Mitteilung von Dr. Georg Wirth (Bamberg) vom 21. 2. 1995.